Ringen - Der "Kran" und das "Eichhörnchen"

Griechisch-römisches Ringen – da liegt die Tradition schon im Namen. Ringen als Sportart geht auf die Zeit der Griechen und Römer zurück. Bereits bei den Olympischen Spielen der Antike gehörte Ringen zum Programm. Aus den ursprünglichen Regeln entwickelten sich zwei verschiedenen Stilarten, dass griechisch-römische und das Freistil-Ringen. Einer der erfolgreichsten Ringer Deutschlands war Wilfried Dietrich, der von 1933 bis 1992 lebte, er beherrschte beide Stile und sammelte sowohl im griechisch-römischen als auch im Freistil-Ringen bei Olympia Medaillen. Dies gelang weltweit nur wenigen anderen Sportlern nach ihm.

Zum Ringen kam Dietrich nur, weil er einst mit einem Ringer wettete, er könne diesen besiegen. Dietrich verlor und nahm sich vor, solange zu trainieren, bis er seinen Kontrahen bezwingen konnte. Nur wenige Monate später war es so weit und Dietrich gewann den Kampf. Er trainierte weiter und startete mit 18 Jahren eine große Karriere. Mit 23 Jahren gewann Dietrich seine erste Silbermedaille direkt bei seiner ersten Olympia-Teilnahme 1956 in Melbourne. Es folgten noch eine weitere Silbermedaille, zwei Bronzemedaillen und sogar eine Goldmedaille bei insgesamt fünf Olympia-Teilnahmen in Melbourne, Rom, Tokio, Mexiko-Stadt und München. International kamen zu seinen Olympia-Erfolgen noch zwei Bronze-, zwei Silber- sowie eine Goldmedaille bei Weltmeisterschaften und der Sieg der Europameisterschaft 1967 hinzu.

Dietrich trainierte nach seinem eigenen Plan und nahm auf Lehrgängen auch mal nicht am morgendlichen Waldlauf teil, wenn er das so für sich entschieden hatte. Als Ausgleich zum Ringen machte er Gewichtheben. Das Trainingspensum Dietrichs war für seine Arbeitgeber nicht immer einfach, da er viel unterwegs war. Der „Kran von Schifferstadt“, wie er auch genannt wurde, war viele Jahre das Maß aller Dinge im deutschen Ringen, keiner konnte ihn hier besiegen, er gewann 30 Deutsche Meistertitel (Einzeltitel und Mannschaftstitel mit dem VfK Schifferstadt sowie mit dem ASV Mainz 1888). Der Name „Kran von Schiffestadt“ wurde ihm 1972 verpasst, als er bei den Olympischen Spielen in München den deutlich schwereren Amerikaner Chris Taylor bezwang.

Ein anderer deutscher Ringer, der seine ganz eigene Erfolgsgeschichte im Ringen geschrieben hat, ist Frank Stäbler. Stäbler gelang es im griechisch-römischen Ringen drei Weltmeistertitel in drei verschiedenen Gewichtsklassen zu gewinnen. Dies hat kein anderer Athlet geschafft. Zwei weitere Medaillen in Bronze konnte er bei den Weltmeisterschaften 2013 und 2019 gewinnen sowie zwei Europameistertitel und eine Bronzemedaille bei der EM. Bei seinem letzten internationalen Kampf gewann er 2021 bei den Olympischen Spielen in Tokio die Bronzemedaille. 2012 erhielt Frank Stäbler den Beinahmen "das  fliegende Eichhörnchen". Bei der EM in Belgrad lag er im Kampf gegen den Lokalmatador Alexander Maksimovic kurz vor Schluss hinten und gewann dank eines spektakulären Sprungs auf den Rücken des Gegners diesen Kampf noch. Stäblers Karriere-Ende ist nach der Veranstaltung THE LAST FIGHT am 18. Juni 2022 in der MHP-Arena geplant.

Mehr Infos: https://youtu.be/QVd_Mj2-Y4Y undhttps://youtu.be/eg-LZbwYCkY

 

[Fotos: IMAGO / Sven Simon & Pressefoto Baumann]