STARK FÜRS KLIMA | Folge 10: Mentale Gesundheit

  15.10.2026

SPORT UND KLIMA lautet das Jahresmotto 2026 der SportRegion Stuttgart. In diesem Zusammenhang gibt es gleich vier Online-Serien. In der 10. Folge der Rubrik STARK FÜRS KLIMA geht es um die mentale Gesundheit.

Folge 10: Mentale Gesundheit

Im Oktober gibt es im Durchschnitt täglich noch vier bis sieben Sonnenstunden pro Tag. Die „dunkle Jahreszeit“ macht sich nun immer mehr bemerkbar. Auswirkungen von weniger Tageslicht können unter anderem zu gedrückter Stimmung, starker Müdigkeit oder Rückzug von sozialen Kontakten führen. Bei manchen endet es sogar in einem sogenannten „Winter Blues“ oder einer saisonal-abhängigen Depression. Während diese häufig verschwinden, sobald die Tage wieder länger werden, gibt es dagegen jedoch auch psychische Erkrankungen – veränderte Zustände des Denkens, Fühlens und Verhaltens, die mit erheblichem Leidensdruck oder Einschränkungen im Alltag verbunden sind – , welche einen teils bis zu einem Leben lang verfolgen. Laut dem Barmer Arztreport von 2023 leiden fast 40 % aller Deutschen unter psychischen und Verhaltensstörungen, also fast die Hälfte der Bevölkerung. In einem Zeitfenster von zehn Jahren, ist der Anteil der Erwachsenen mit Diagnose einer psychischen Störung an allen gesetzlich Versicherten stetig gestiegen. Um vielleicht irgendwann einen Rückgang verzeichnen zu können, ist es wichtig, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Die World Federation for Mental Health rief bereits am 10. Oktober 1992 dazu auf. Daraus entstand der internationale „World Mental Health Day“. Im Rahmen dieses Tages gibt es jährlich Aktionen, die zum Ziel haben, Verständnis für die Situation von Menschen mit einer psychischen Erkrankung zu schaffen und über die Folgen aufzuklären. Zudem sollen Solidarität mit Betroffenen hergestellt und Berührungsängste abgebaut sowie Angehörige eingebunden werden. 

Statt einer klassischen Psychotherapie zur Behandlung von geistigen Krankheiten gibt es alternative Methoden. „Mens sana in corpore sano“ oder auf Deutsch „Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“ ist ein Zitat des römischen Dichters Juvenal. Es wird heutzutage meist als Motto für die Verbindung von Sport und mentalem Wohlbefinden genutzt. Körperliche Aktivitäten bringen neben physischer Fitness des Weiteren positive Resultate, was die Psyche betrifft. Stressabbau und bessere Konzentration sind nur zwei mögliche Effekte. Sport hat zudem eine ähnliche Wirkung wie Medikamente. Laut Studien kann Bewegung u.a. bei Depressionen helfen die Stimmung zu verbessern. 

Auf der anderen Seite kann Sport – gerade bei Spitzenathleten – allerdings ein Auslöser für die Beeinträchtigung der mentalen Gesundheit sein. Sie stehen unter permanenten Leistungsdruck, Verletzungen gefährden die Karriere oder es herrscht Angst vor dem Rauswurf aus dem Kader. Gerade hohe Erwartungen an sich selbst oder von außen verhindern oft, dass über das psychische Wohlbefinden gesprochen wird, weil es als Schwäche angesehen werden könnte. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung unterscheidet sich die Anzahl an depressiven Verstimmungen und Angststörungen kaum. Leistungssportlern sind dagegen häufiger von geistigen Erkrankungen in Bezug auf Körperbildstörungen wie beispielsweise Essstörungen, vor allem bei ästhetischen Sportarten, betroffen.  
 

Die extremen körperlichen und seelischen Beanspruchungen bedürfen entsprechenden Maßnahmen. Wer jedoch keinen Sportpsychologen zur Seite hat, erhält durch Achtsamkeitsübungen ein recht einfaches Mittel, um die negativen Gedanken wieder in den Griff zu bekommen. Achtsamkeit stammt aus dem Buddhismus. Es bedeutet im Hier und Jetzt zu sein, einen Moment bewusst zu erleben. Die Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf sich, den Körper, die Gedanken sowie die Umwelt und Gefühle sowie Erlebnisse ohne Bewertung anzunehmen. Vor einem Wettkampf kann so z. B. der Fokus geschärft und Stress abgebaut werden. Nachfolgend finden sich drei simple Übungen:    

  • Atem-Anker: Drei bis vier bewusste Atemzüge, bevor es losgeht. Einatmen durch die Nase, kurz halten, langsam ausatmen.
  • Body-Scan Warm-up: Warm-up nicht mechanisch abspulen, sondern gedanklich einmal durch den Körper wandern: Wie fühlen sich die Schultern an, wie der Rücken, wie die Beine?
  • 5-4-3-2-1-Übung: Fünf Dinge benennen (laut oder in Gedanken), die gesehen, vier, die gehört, drei, die gespürt werden und anschließend mit absteigender Anzahl wiederholen. 

In vorherigen Artikeln dieser Online-Serie kamen schon einige Folgen des Klimawandels auf den Körper zur Sprache. Jetzt wird eine weitere genannt: Klimaangst (eco-anxiety). Es handelt sich dabei zwar nicht um eine psychische Erkrankung in diesem Sinne, aber um die Sorge, dass die Lebensgrundlagen durch die Klimakrise bedroht werden. Mit ihr verbunden treten Emotionen wie Angst, Wut, Ohnmacht, Traurigkeit oder Verzweiflung auf, welche gegebenenfalls die Belastung der mentalen Gesundheit nach sich ziehen. Sport könnte, wie oben beschrieben, bei der Behandlung helfen. Dieser wird in vielen Teilen durch den Klimawandel jedoch ebenfalls belastet, denn er schränkt immer stärker ein, wie und wo sich bewegt werden kann. Beispiele hierfür sind die zunehmende Hitze im Sommer, Überschwemmungen von Stadien oder akuter Schneemangel für Wintersportaktivitäten. Für die Psyche der Sportlerinnen und Sportler bedeutet das ein verstärktes Stresserleben, Anpassungs- sowie affektive Störungen und Traumata durch akut erlittene oder erlebte Unfälle infolge des Klimawandels, Motivationsverlust. 

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat sich ebenfalls bereits mit dem Zusammenspiel von Klimawandel, Sport und mentaler Gesundheit auseinandergesetzt. Als Resultat wurden individuelle Verhaltenstipps für Sportlerinnen und Sportler, z. B. Hilfe suchen bei psychischer Belastung, Hinweise für Trainerinnen und Trainer, z. B. Aufmerksamkeit auf vulnerable Trainierende richten oder mögliche Anpassungsmaßnahmen durch Verbände und Vereine, z. B. Ausbau der sportpsychologischen Betreuung, niedergeschrieben. 

Fazit: Sport kann ein Mittel gegen „dunkle Gedanken“ sein, diese aber auch hervorrufen. Damit dies nicht passiert, ist es vor allem wichtig mit anderen Menschen offen darüber zu sprechen. So kann sich auch gegen die Auswirkungen des Klimawandels gewappnet werden. 

Best-Practice-Beispiele: Der gemeinnützige Verein Wirfueryannic e.V. widmet sich der Aufklärung, Prävention sowie Hilfe rund um die Krankheit Depression und unterstützt in seiner Arbeit Sportteams und deren Gemeinschaft. Regelmäßig findet unter seiner Verantwortung ein Symposium zum Thema mentale Gesundheit im Sport statt. Ihre Vorbildfunktion können bekannte Athleten erfüllen, indem sie offen über sensible Dinge sprechen. In seinem Buch „Am Limit – Wie Sportstars Krisen meistern“ (Springer Verlag, Heidelberg, 2021) spricht Johannes Seemüller u. a. mit Karla Borger, Timo Hildebrand, Elisabeth Seitz und Frank Stäbler über die Schattenseiten des Leistungssports – siehe auch Artikel der SportRegion von 2023. 

Weitere Informationen: Die Plattform „Mehr als Muskeln“ wurde ins Leben gerufen, um einen Safe Space für Athletinnen und Athleten zu schaffen, wo sie sich austauschen und Hilfe suchen können. Weitere unterstützende Angebote bietet auch diese Seite: athletes-in-mind.de/. Die Tipps vom DOSB gibt es auf deren Homepage oder auf YouTube unter dem Link www.youtube.com/watch?v=EqZWs8vFuZc. Das Buch von Johannes Seemüller findet sich hier zum Kauf: johannes-seemueller.de/das-buch-am-limit/.