SPORT UND KLIMA | Württembergischer Leichtathletik-Verband
SPORT UND KLIMA lautet das Jahresmotto 2026 der SportRegion Stuttgart. In diesem Zusammenhang gibt es gleich vier Online-Serien. In der 6. Folge der „Beispiele aus der Praxis“ geht es um den Württembergischen Leichtathletik-Verband (WLV). Unser Mitarbeiter Frank Schwaibold hat mit Markus Reichle, stellvertretender Geschäftsführer des WLV, gesprochen.
Folge 6: Das Thema Beschattung ist elementar
Herr Reichle, ein Schwerpunkt in der Nachhaltigkeitsarbeit des WLV lautet: „Wir bemühen uns, den Ressourcen-, Energie- und Rohstoffverbrauch, sowie die Treibhausgas-Emissionen im Rahmen unserer Vereinsaktivitäten so gering wie möglich zu halten und sie gegebenenfalls klimaneutral zu kompensieren.“ Wie gelingt das?
Markus Reichle: Grundsätzlich hat eine ressourcenschonende Realisierung unseres Arbeitsalltags sowie unserer Veranstaltung schon längere Zeit eine hohe Priorität. Mit dem Beitritt zur N-Charta war die Einführung eines digitalen Stellplatz-Systems bei Landesmeisterschaften unser großes Projekt. Durch die digitale Abwicklung konnten wir den Papierverbrauch im Rahmen unserer Meisterschaften enorm senken, denn es wurden einerseits keine Stellplatzkarten mehr gedruckt und andererseits keine Startunterlagen-Umschläge für die Vereine vorbereitet. Zusätzlich konnten dadurch unsere personellen Ressourcen in der Vorbereitung unserer Meisterschaften entlastet werden.
Wie sehen die Bemühungen in Sachen Nachwuchsgewinnung bei den Aktiven, aber auch bei den Kampfrichtern aus?
Im Bereich der Kampfrichter führen wir seit nunmehr drei Jahren die sogenannte Jung-Kampfrichterinitiative durch. Diese Maßnahme verbindet die Ausbildung zum Kampfrichter bzw. zur Kampfrichterin mit einem ausgedehnten Praxisteil sowie mit einem attraktiven Rahmenprogramm. Damit konnten über die letzten drei Jahre mehr als 40 Jungkampfrichter und Kampfrichterinnen ausgebildet werden, die seither in ihren Vereinen und Kreisen, aber auch bei Landesmeisterschaften und Deutschen Meisterschaften zum Gelingen der Veranstaltungen beitragen. Im Bereich der aktiven Leichtathleten liegt unser Fokus aktuell auf der Weiterentwicklung des Wettkampfangebots zwischen der Kinderleichtathletik, die mehr als boomt, und der Jugend-Leichtathletik. Bei einem runden Tisch mit interessierten Vereinen wurden verschiedene Maßnahmen besprochen, die inzwischen alle realisiert sind und erste Wirkungen zeigen.
Können Sie hierfür bitte konkrete Beispiele nennen?
Erstens: Das Kinderleichtathletik-Wettkampfsystem ist entgegen der Jugend-Leichtathletik sehr mannschaftslastig. Zudem werden diese Mannschaften gemischt gebildet. Zwar gibt es auch in der U14 Mannschaftswettkämpfe, jedoch geschlechtergetrennt. Um einen roten Faden im Übergang von der Kinder- zur Jugendleichtathletik zu haben, haben wir im Jahr 2022 gemischte Mannschaftswertungen für die Altersklassen U14 und U16 eingeführt. Und zweitens ist das Wettkampfangebot der Kinderleichtathletik sehr vielfältig. Grundsätzlich bietet auch die Jugend-Leichtathletik diese Vielfalt, doch häufig beschränkt sich das Wettkampfangebot auf den klassischen Vierkampf. Wir haben im Jahr 2023 deshalb WLV-Blockwettkampfmeisterschaften eingeführt. Dies bedeutet, dass ein disziplinblockspezifischer Mehrkampf für Sprint/Sprung, Lauf und Wurf angeboten wird und damit die Bandbreite der Disziplinen deutlich erhöht wird.
Sind Maßnahmen wie die Spikesbörse erfolgreich und werden fortgeführt?
Die Spikes-Börse wurde bei unserem Beitritt zur N-Charta als lokales Nachhaltigkeitsprojekt umgesetzt und seit dem, aufgrund des hohen Zuspruchs, fester Bestandteil unseres WLV-Jugendstands. Auch die Kollegen des Badischen Leichtathletik-Verbandes haben die Spikesbörse in ihr Rahmenprogramm für die großen Meisterschaften übernommen.
Ein Thema ist auch die Beschattung in den Stadien. Was wurde hier bereits umgesetzt bzw. ist in Planung?
Das Thema Beschattung in Stadien ist für uns als Freiluft- und Sommersportart elementar. Einerseits versuchen wir das Thema im Rahmen unserer Veranstaltungen bestmöglich zu lösen, andererseits versuchen wir für unsere Vereine Hilfestellungen zu geben und beratend tätig zu sein. In Summe ist das Thema aber kein einfaches. Temporäre wie dauerhafte Beschattungen fordern in erster Linie den Einsatz finanzieller Mittel. Insbesondere, wenn es um dauerhafte Beschattungen geht, geht das Thema auch über den Verein oder die Abteilung hinaus.
Welche weiteren Maßnahmen sind noch geplant?
Grundsätzlich beschäftigen wir uns aktuell intensiv mit dem Thema Hitze und weiterer klimabedingter Risiken im Rahmen unserer Veranstaltungen. So war dies auch Schwerpunkt-Thema des Impulsvortrags bei unserer diesjährigen Mitgliederversammlung. Die aktuellen Begebenheiten in den Sommermonaten fordern von uns als Sportart, dass wir uns mit Lösungen beschäftigen. Beschattungen sind dabei ein relevantes Thema, aber auch die Gestaltung des gesamten Wettkampfkalenders, des Wettkampfprogramms sowie die einzelnen Zeitpläne der Veranstaltungen müssen reflektiert und ggf. neu gedacht werden.
Mehr Infos: https://www.wlv-sport.de/home/details/news/wlv-ausgezeichnet-fit-fuer-morgen-wege-zur-zukunftsfaehigkeit