SPORT UND KLIMA | Folge 3: Schwäbischer Turnerbund
  28.03.2026


SPORT UND KLIMA lautet das Jahresmotto 2026 der SportRegion Stuttgart. In diesem Zusammenhang gibt es gleich vier Online-Serien. In der 3. Folge der „Beispiele aus der Praxis“ geht es um den Schwäbischen Turnerbund (STB).

Folge 3: Nachhaltigkeit gelingt vor allem durch Netzwerke

Der Blick geht beim Schwäbischen Turnerbund nicht erst seit heute nach vorn. „Das Thema Nachhaltigkeit ist verbunden mit der Frage, was Turn- und Sportvereine tun können, dass für gegenwärtige und zukünftige Generationen vergleichbare oder bessere Lebensbedingungen geschaffen werden.“ Das betonte der STB-Vizepräsident Matthias Ranke schon vor drei Jahren.

Auch an der Basis spricht man längst Klartext. Dr. Holger Prassel, Vorstandsmitglied beim MTV Ludwigsburg, warnte schon früh bei der Frage, warum sein Verein der N!-Charta Sport beigetreten sei: „Zugespitzt gesagt, haben wir das gemacht, um als Verein zu überleben!“ Es sei schließlich „kein Selbstläufer, dass es einen Verein, egal wie lange er schon existiert, auch in Zukunft noch geben wird“.

Kurzfristig, so weiß Prassel, „geht es vor allem darum, genug Hallen für unsere Sportangebote zur Verfügung zu haben und die Energiekosten decken zu können“. Der Spitzenfunktionär sagt zudem: „Langfristig wird die größte Herausforderung sein, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter im Haupt- und Ehrenamt zu gewinnen und dann auch zu halten.“

Dass sich Herausforderung am besten im Team bewältigen lassen, ist im Sport nichts Neues. Deshalb ist der STB im Jahr 2024 einem Projekt der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW beigetreten. Die LAG 21 NRW ist ein Netzwerk von Kommunen und Verbänden sowie Vereinen. Im Rahmen des Netzwerks läuft das bundesweite Forschungsprojekt „Breitensport, Umwelt und Nachhaltigkeit“ (BUNA), wobei praxisnahe Handlungsempfehlungen für Verbände und Vereine entwickelt werden sollen. STB-Kommunikationschef Hannes Haßpacher erklärt: „Wir sind dem Projekt BUNA beigetreten, weil Nachhaltigkeit ein gesamtgesellschaftliches Thema ist – und der organisierte Sport als wichtige zivilgesellschaftliche Struktur hier eine besondere Verantwortung trägt.“ Themen wie Klimawandel, Ressourcenschutz oder soziale Nachhaltigkeit „betreffen nicht nur Politik und Wirtschaft, sondern auch unsere Sportvereine“.

Mit BUNA sei erstmals eine wissenschaftlich fundierte, deutschlandweite Untersuchung zur Nachhaltigkeit im Breitensport durchgeführt worden. Als größter Fachverband mit einem starken Schwerpunkt im Breitensport „sehen wir es als unsere Aufgabe, uns aktiv in dieses Forschungsprojekt einzubringen und es zu unterstützen“, so Haßpacher.

Eine zentrale Erkenntnis ist für ihn:  Nachhaltigkeit gelingt vor allem durch Netzwerke. „Das Thema betrifft uns alle, und kaum ein anderes Arbeitsfeld lebt so sehr von Kooperation wie dieses“, sagt der STB-Pressesprecher. Besonders wertvoll sei die große Datenmenge, die im Rahmen des Projektes erhoben wurde. Dadurch wurden erstmals bundesweit gültige Aussagen darüber möglich, wie der Breitensport in Deutschland aktuell zum Thema Nachhaltigkeit steht. Vieles davon sei in die tägliche Arbeit des STB eingeflossen. Als konkrete Beispiele nennt Haßpacher:

  • Auf Müllvermeidung wird besonders geachtet. Dazu zählt unter anderem: Festführer bei Turnfesten sind nur noch digital vorhanden und werden nicht mehr als gedruckte Exemplare aufgelegt, das Geschirr in Gemeinschaftsunterkünften wird mitgebracht und recycelte Druckerpatronen werden wiederverwendet
  • Bei Veranstaltungen wie dem Landeskinderturnfest (LKTF) und auch auf der Geschäftsstelle gibt es Trinkbrunnen
  • Inklusive Angebote werden gefördert und diese Belange werden bei den Veranstaltungen auch sichtbar gemacht, z.B durch Rollstuhlrampe an den LKTF-Bühnen, die Auswahl barrierefreier Schulen für Gemeinschaftsquartiere, Rollstuhlbasketball als Mitmachangebot. Auch angepasste Bewertungskriterien bei den Wettkämpfen im Rahmen des L(K)TF und der Umbau in Bartholomä mit einem rollstuhlgerechten Zimmer gehören dazu.
  • Die Staffeleinteilungen werden aufgrund von Fahrstrecken neu überdacht
  • Die Bereitstellung von ÖPNV-Tickets für Volunteers für deren Anreise zu Bildungsveranstaltungen, Turnfesten oder dem DTB-Pokal

Doch Haßpacher und der STB geben sich damit noch nicht zufrieden: Weitere Maßnahmen müssen folgen, lautet der Tenor. Dazu zählen unter anderem Energieeinsparungen oder das Bilden von Fahrgemeinschaften. Haßpacher: „Der nächste Schritt besteht nun darin, die gewonnenen Erkenntnisse in die Fläche zu bringen.“ Kein einfaches Unterfangen bei rund 1.800 Vereinen mit ihren mehr als 750.000 Mitgliedern, die dem Verband angehören. Netzwerke und Leuchtturmprojekte bleiben für den STB-Sprecher in jedem Fall der Schlüssel zum Erfolg: „Sie zeigen, was machbar ist, und regen andere zur Nachahmung an.“ Damit das gelinge, müssten die Rahmenbedingungen stimmen. „Aus dem Projekt ging ein klarer Appell an die Politik: Nachhaltiges Handeln braucht verlässliche finanzielle und personelle Ressourcen – und diese müssen auf kommunaler, regionaler und bundesweiter Ebene geschaffen werden.“ Die künftige Landesregierung weiß also genau, was die Turner von ihr erwarten. 

Mehr Infos: https://www.stb.de/vereinsservice/vereinsentwicklung/sport-und-nachhaltigkeit/ 

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