SPORT UND KLIMA | Folge 1: Schwäbischer Skiverband
  22.01.2026


SPORT UND KLIMA lautet das Jahresmotto 2026 der SportRegion Stuttgart. In diesem Zusammenhang gibt es gleich vier Online-Serien. In der 1. Folge der „Beispiele aus der Praxis“ geht es um den Schwäbischen Skiverband.

Folge 1: Klimaschutz sichert Schneesport

Früher war alles anders. Ob auch besser, das sei dahingestellt. Zum Beispiel beim Eislaufen. Da ging man in der Nachkriegszeit zum nächstgelegenen zugefrorenen See und drehte dort seine Runden. Oder bastelte aus Holz einen Schläger, nahm einen verfilzten Tennisball und spielte „Eishockey“. Heute aber gibt es in jeder größeren Stadt eine Eissporthalle. Eismaschinen sorgen für perfekte Eisflächen. Auch beim Klettern fand das Training früher nur in der Natur statt. Heute kraxeln die Bergsportler längst in Hallen, können dort verschiedene Schwierigkeitsgrade ausprobieren.

Steht dem Wintersport eine ähnliche Entwicklung bevor? Skifahren und Snowboarden vor allem in riesigen Hallen – das erscheint angesichts des Klimawandels und der immer wärmer werdenden Winter nicht mehr unrealistisch zu sein. Oder man weicht mit Anfängern auf grüne Hänge aus, auf denen sich die kleinen Nachwuchsfahrer auf textilen Matten versuchen. Die DSV Skischule Sindelfingen ist hier ein Vorreiter mit seinem innovativen Mini-Tiger-Kurs. Auf einem Hügel vor der Kirche lernen die Kleinen mitten in der Stadt das Skifahren.

Auch der Schwäbische Skiverband (SSV) kümmert sich längst um das Thema Nachhaltigkeit. Schneesport 2050 – so lautet die Themenreihe, mit welcher der SSV sich auf die Zukunft vorbereiten will. Die Vision des SSV konzentriert sich darauf, so heißt es im Verbandsmagazin Skispur, „wie Schneesport in einer zunehmend umweltbewussten und in seinen Ressourcen limitierten Welt nachhaltig gestaltet werden kann“. Die Reduktion von Kohlendioxid ist dabei oberstes Gebot. Denn mit 75 Prozent und mehr schlagen die An- und Abreise mit dem privaten Pkw zu den Pisten am schlimmsten zu Buche bei der CO2-Bilanz. Also wünscht sich der SSV von seinen Mitgliedern, dass sie mit Fahrgemeinschaften, dem Bus oder Zug in ein Skigebiet anreisen. Damit können viele Tonnen an Emissionen eingespart werden. „Unsere Vereine sind da schon super unterwegs“, lobt Philipp Zofer, der SSV-Vizepräsident für Nachhaltigkeit. Vereinsausfahrten etwa würden oft mit dem Omnibus oder Kleinbussen organisiert.

Zudem rücken Skimatten, Skiteppiche, Sommerschanzen sowie Skisimulatoren in den Fokus. Solche alternativen Untergründe und Trainingsmethoden will der SSV fördern. In Skandinavien wird schon auf so genannten dry slopes (Trockenpisten) vermehrt gefahren. Die aus Kunststoffgeflechten bestehenden Pisten können das ganze Jahr befahren werden. In England trainieren Nachwuchsfahrer ebenfalls auf „dry slopes“.  Der Kitzbühel-Sieger Dave Ryding hatte einst auf solchen Matten seine Karriere gestartet.

Ebenfalls im Blick hat der Verband, vielseitige Angebote auf Ski, Snowboard und Rollski zu entwickeln und anzubieten. Denn waren bisher nach der Ski-Saison die Wintersportgeräte erst mal im Keller verstaut, wurde bis zum Herbst fleißig auf Bike oder Rollski trainiert. Doch was vielen bisher nur als Training für den Winter diente, ist in manchen Disziplinen längst Teil des Wettkampfkalenders. So startet etwa der SSV-Skilanglaufcup bereits im September auf Rollski und Inlinern, beim Inline alpin klacken die Stangen von Mai bis September. Und im Nordischen Bereich sind schon Wettkampfserien übers ganze Jahr auf verschiedenen Untergründen etabliert. Deshalb geht der SSV der Frage nach, ob Schneesport auf „alternativen Untergründen und Umgebungen zukunftsfähig ist“ und ob der Nordische Skisport nicht auch Vorbild für den Alpinen Bereich und den Breitensport sein kann.

Ferner wird man sich wohl bei den Aus- und Fortbildungen zunehmend auf den „Kernwinter“ fokussieren müssen. Philipp Zofer sagt: „Da sich die Saison eher nach hinten verschiebt, also späterer Start aber auch länger Schnee ins Frühjahr hinein, würde es Sinn machen, sich auf die Monate Januar bis März zu konzentrieren.“ Im April biete dann das Gletscherskigebiet im Pitztal die nötige Schneesicherheit. Der „Pitztaler Gletscher“ sei zudem gut erreichbar aus Baden-Württemberg. Der SSV verweist auch darauf, dass das Pitztal seit November 2020 einen von vier Clear Alpine Regions (CLAR) in Tirol ist. Der Tourismusverband Pitztal bekennt sich wie der SSV dazu, seinen CO2-Fußabdruck zu senken.

Deshalb hält der SSV zum Beispiel eine Lehrteamschulung zur Not auch schon mal in Stuttgart ab, wenn vor Ort die Verhältnisse nicht passen. An besagtem Wochenende vor zwei Jahren standen im Pitztal nämlich nur wenige Pisten zur Verfügung und der Skibetrieb wurde schon um 13 Uhr eingestellt. „Unter solchen Umständen ist kein Mehrwert eines Saisonstarts im Schnee gegeben“, wissen sowohl Carl Glauner als auch Urs Rieso von den Lehrteams Ski-Alpin bzw. Snowboard.   

Jedenfalls ist man beim SSV überzeugt: Klimaschutz sichert Schneesport. Das von der Organisation Protect our winters (POW) stammende Motto „Protect what you love“ sei extrem wichtig. Schließlich sollen auch nachfolgende Generationen noch Schnee erleben können. Und der Schneesport soll kein Luxusgut für einige wenige Wohlhabende sein, die sich einen exklusiven Skiurlaub in einem hoch gelegenen und schneesicheren Wintersportorten leisten können, egal was es kostet. Ehrensache deshalb, dass der SSV auch Mitglied bei Protect our winters ist.

Mehr Infos: https://www.online-ssv.de/themen/nachhaltigkeit

SPORT UND KLIMA | Folge 1: Schwäbischer SkiverbandSPORT UND KLIMA | Folge 1: Schwäbischer Skiverband