HANDICAP MACHT SCHULE im Schuljahr 2013/2014

Keplerschule.jpgDas Jahresmotto 2014 der SportRegion Stuttgart lautet „Integration und Inklusion“. In diesem Zusammenhang wird ein gemeinsames Projekt der SportRegion mit dem Württembergischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband (WBRS) angeboten, bei dem die Schülerinnen und Schüler in Kontakt mit Menschen mit Handicap kommen. Die Auftaktveranstaltung von "Handicap macht Schule" fand am Dienstag (14. Januar 2014) an der Keplerschule in Schorndorf statt.

Ein Video von der Auftaktveranstaltung in Schorndorf ist in der Mediathek des Senders Regio TV zu sehen: http://www.regio-tv.de/video/297715.html

Ein Bericht der Stuttgarter Zeitung von Martin Tschepe ist auf der Online-Präsenz der StZ zu finden: http://m.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.schorndorf-stuttgart-wider-die-beruehrungsaengste.8979f893-e74d-4a71-a1a9-cecc722b5910.html

Die Termine im Überblick: [hier]


Vor der Auftaktpressekonferenz zum Jahresmotto „Handicap macht Schule“ in der Mensa der Keplerschule Schorndorf.

Inklusion – ja, aber wie?! Antwort darauf soll das gemeinsame Projekt der SportRegion Stuttgart und des Württembergischen Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes (WBRS) „Handicap macht Schule“ geben. Ziel ist es, Schülerinnen und Schülern das Thema Inklusion näherzubringen und ihnen anhand von Sportarten wie Blindenfußball und Rollstuhlbasketball einen Einblick in das Leben von Menschen mit Handicap zu verschaffen.


Für Interessierte gab es ausreichend Material, um sich mit dem Thema Inklusion zu befassen.

Die erste von fast 30 Veranstaltungen fand am Dienstag (14. Januar 2013) in der Keplerschule in Schorndorf statt. Zahlreiche Journalisten, Politiker und interessierte Lehrerinnen und Lehrer nutzeten die Möglichkeit, sich bei der Auftaktveranstaltung über das Projekt zu informieren.


Viele interessierte aus den Bereichen Politik, Medien und Schule kamen zur Auftakt-Pressekonferenz.

Andreas Escher (Projektleiter von „Handicap macht Schule“) fungierte dabei auch gleichzeitig als kompetenter Moderator der Pressekonferenz in der Schulmensa. Zunächst erhielten alle Gäste in einer 45-minütigen Befragung der sechs Experten zahlreiche Informationen rund um das Thema Inklusion und den Behindertensport. Matthias Klopfer (Vorsitzender der SportRegion Stuttgart und Oberbürgermeister von Schorndorf) machte deutlich, dass es für ihn und seine Stadt besonders wichtig ist, die Menschen für das Thema Inklusion zu sensibilisieren. Durch das Projekt „Handicap macht Schule“ könnten erste Impulse gegeben werden, die dann ausgeführt und erweitert werden müssten. Auch bei der Stadt Schorndorf habe es in diesem Zusammenhang Veränderungen gegeben, so sei unlängst der erste behinderte Azubi eingestellt worden.


Schorndorfs OB Matthias Klopfer (links) hat einst während des Studiums die Erfahrung gemacht, wie es ist, ohne zu sehen Ski zu fahren - eine Erfahrung die er nicht vergessen hat.

Auch Thomas Nuss (Geschäftsführer des WBRS) liegt es sehr am Herzen, das Thema Inklusion weiter voranzubringen. Er möchte auf den Behindertensport aufmerksam machen, sodass Menschen mit Handicap mitbekommen, dass es spezielle Ansprechpartner für ihre Belange gibt. Die Aktion, an Schulen zu gehen, sei ein großer Schritt in diese Richtung: „Wir wollen den Kindern einen Anstoß geben und den Behindertensport bekannt machen.“ Es gebe jedoch auch Herausforderungen bei der Durchführung – zum Beispiel bei der Logistik: „Irgendwie müssen die zwölf Sportrollstühle, die sich nicht so einfach zusammenklappen lassen, ja auch transportiert werden.“ Doch der Spaß, den alle Schülerinnen und Schüler am Behindertensport haben, lasse alle organisatorischen Herausforderungen in den Hintergrund treten. Von der Nachhaltigkeit des Projekts ist Thomas Nuss ebenfalls überzeugt, da die Schulen mit weiterführende Aktionen, wie zum Beispiel der gemeinsamen Abnahme des Sportabzeichens für behinderte und nichtbehinderte Schülerinnen und Schüler, auf den Behindertensport aufmerksam machen und gehandicapte Menschen einbeziehen könnten.


WBRS-Geschäftsführer Thomas Nuss (ganz rechts) möchte den Behindertensport bekannter machen.

Die Zusammenarbeit von Kindern mit und ohne Handicap ist auch für Dieter Leins (Rektor der Keplerschule) besonders wichtig. Bereits seit 1999 pflegt die Keplerschule einen engen Kontakt zur Fröbelschule, einer Schule für Geistig- und Körperbehinderte, die sich in direkter Nachbarschaft befindet. „Ein tolles Beispiel dafür, dass die Schüler nach dem Kontakt und Umgang mit Menschen mit Handicap sehr viel toleranter werden, ist ein Sechstklässler unserer Schule, der im Bus einer älteren Frau beim Einsteigen half und ihr die Tasche abnahm“, so Dieter Leins. Aus diesem Grund verspricht er sich von dem Projekt „Handicap macht Schule“ Folgewirkungen. Wie der Behindertensport bei den ersten Schülern in der Projektreihe ankam, konnte Werner Rieger (Projekt-Verantwortlicher Rollstuhlbasketball) nach der ersten Sporteinheit berichten: „Die Kinder sind total motiviert und so begeistert vom Spiel, dass sie ihre Trikots gar nicht mehr ausziehen wollen.“ Die Begeisterung der Kinder ist genau das, was Werner Rieger antreibt. Er möchte jedem Kind die Möglichkeit geben, einen Einblick zu bekommen, wie toll das Leben auch mit Handicap sein kann, und somit die Barrieren gegenüber Menschen mit Handicap in den Köpfen abbauen.


Während der Pressekonferenz stellten sich (von links) Werner Rieger (Trainer Rollstuhlbasketball), Maria Kühn (Paralympics-Goldmedaillengewinnerin 2012 im Rollstuhlbasketball), Conny Dietz (Paralympics-Goldmedaillengewinnerin 1996 im Goalball und Deutsche Meisterin im Blindenfußball), Matthias Klopfer (Vorsitzender der SportRegion Stuttgart und Oberbürgermeister der Stadt Schorndorf), Dieter Leins (Rektor der Keplerschule Schorndorf), Thomas Nuss (Geschäftsführer des Württemb. Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes) sowie Andreas Escher (Projektleiter und Moderator der Auftakt-PK) den Fragen der Medienvertreter.

Maria Kühn (Paralympics-Goldmedaillengewinnerin 2012 im Rollstuhlbasketball) geht sogar noch weiter. Für sie bedeutet Inklusion nicht nur Einbeziehung behinderter Menschen in die Gesellschaft, sondern auch die Gleichberechtigung ausländischer oder sozialschwächerer Menschen in der Gesellschaft. Sie findet das Projekt gerade deshalb toll, da sich dadurch der Bekanntheitsgrad des Behindertensports erweitert. Denn auch wenn die Kinder selbst nicht behindert sind, kennen sie im Bekannten- oder Freundeskreis vielleicht jemanden mit einem Handicap. Sie selbst ist einstmals auch durch eine Empfehlung zum Rollstuhlbasketball gekommen. Als sie ein paar Jahre nach ihrem Unfall mit dem Rollstuhltanz begann, war sie enttäuscht und sagte: „Das ist doch kein Sport, hier schwitzt man ja gar nicht!“ Jemand aus der Gruppe empfahl ihr dann Rollstuhlbasketball, wodurch sie dann letztendlich auch zu den Paralympics kam.


Die Paralympics-Goldmedaillengewinnerinnen Conny Dietz (links) und Maria Kühn.

Auch Conny Dietz ist Paralympische-Goldmedaillengewinnerin und zwar aus dem Jahr 1996 im Goalball, einer Sportart für sehbehinderte Menschen. Sie wurde auf der schwäbischen Alb groß und machte bereits als Kind viel Sport. Da Conny Dietz in ihrer Familie oder in der Schule trotz ihres Handicaps nie anders behandelt wurde, lernte sie schnell mit ihrer Behinderung umzugehen und ihr Leben eigenständig zu meistern. Der Sport habe ihr dabei sehr geholfen. Aus diesem Grund möchte sie die jungen Menschen mit Handicap motivieren, das zu tun, was ihnen Spaß macht, und ihnen zeigen, dass sie trotz ihrer Behinderung beispielsweise nicht auf Fußball, musizieren oder malen verzichten müssen. Zu ihrer Freude hat sich der Behindertensport in den letzten 20 Jahren sehr positiv verändert: „Die Berichterstattung der Paralympics im Fernsehen ist zum Beispiel deutlich gestiegen.“ Sie appeliert an die Menschen ohne Handicap, dass sie den Erstkontakt mit gehandicapten Menschen nicht scheuen sollten.


Im Anschluss an die Pressekonferenz wurden noch Interviews gegeben, wie im Hintergrund Matthias Klopfer (Vorsitzender der SportRegion Stuttgart und Oberbürgermeister der Stadt Schorndorf) im Gespräch mit Daniel Räuchle von Regio TV und Rollstuhlbasketballerin Maria Kühn im Vordergrund mit Michael Bosch von den Stuttgarter Nachrichten.


Auch Dieter Leins (Rektor der Keplerschule Schorndorf) gab noch ein Interview bei der Auftaktveranstaltung des Jahresmotto „Handicap macht Schule“.

Im Anschluss an die Pressekonferenz hatten alle Anwesenden die Möglichkeit, in der angrenzenden Sporthalle die Umsetzung des Projekts hautnah mitzuerleben. Matthias Kopp und Benjamin Zoll brachten den Schülerinnen und Schülern einer vierten Klasse bei, wie man Sport machen kann, ohne etwas zu sehen. Zunächst wurden einige Aufwärmübungen mit verbunden Augen durchgeführt, bei denen die Schülerinnen und Schüler für den Umgang mit einem Blindenfußball sensibilisiert wurden. Danach hatten die Kinder die Aufgabe, mit verbundenen Augen einem Ball mit Glöckchen nachzujagen.


Benjamin Zoll (im Hintergrund) bringt den Kindern den Blindensport nahe.


Bei dieser Übung versuchen die Kinder, den Ball weiterzugeben, ohne dass sie diesen sehen.

Ähnlich lief es bei der Rollstuhlbasketballgruppe mit Werner Rieger ab. Jedes Kind schnappte sich einen der zwölf Sportrollstühle und konnte in einem Slalomparcours die Wendigkeit und das Fahrverhalten des Rollstuhls austesten. Nach der 90-minutigen Einheit waren sich die Schülerinnen und Schüler in ihrer Meinung einig, denn aus aller Munde hörte man nur: „Das hat so viel Spaß gemacht!“ Den Kindern zufolge ist die Aktion also ein voller Erfolg.


Die Schülerinnen und Schüler der Keplerschule Schorndorf waren mit voller Begeisterung beim Rollstuhlbasketball dabei.


Werner Rieger (rechts mit Trikotnummer 7) leitet die Gruppen im Rollstuhlbasketball.

„Handicap macht Schule“ ist ein gemeinsames Projekt der SportRegion Stuttgart und des Württembergischen Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes. Die SportRegion Stuttgart kümmert sich um die interkommunale Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Sports in der Region Stuttgart. Ihr gehören 52 Kommunen, 38 Sportfachverbände, sechs Sportkreise sowie der Olympiastützpunkt Stuttgart und der Verband Region Stuttgart an. Der Württembergische Behinderten- und Rehabilitationssportverband gehört mit ca. 25.000 Mitgliedern in 365 Vereinen in sechs Bezirken zu den mitgliederstärksten Behindertensportverbänden in Deutschland. Der Verband bietet zahlreiche Angebote für u.a. Amputierte, Diabetiker, Gefäßerkrankte, Wirbelsäulenerkrankte, Geistig Behinderte, Krebsnachsorgepatienten, psychisch Erkrankte wie auch für Menschen ohne Behinderung. Das ehrenamtliche Präsidium koordiniert gemeinsam mit den Fachwarten und der Landesgeschäftsstelle in Stuttgart die drei Säulen des Behindertensports: Leistungs-, Breiten- und Rehabilitationssport.


Rund 70 Schülerinnen und Schüler nahmen an der Auftaktveranstaltung teil.

Zusammen mit drei weiteren starken Partnern wird dieses Projekt umgesetzt:
>> Hahn Automobile: 26-mal in der Region Stuttgart zu finden
>> paramobil GmbH: Fahrzeugumbauer aus Rainau-Dalkingen
>> inorsys GmbH: Spezialist für Orthopädie- und Reha-Systeme aus Nürtingen


Die Partner des Projekts „Handicap macht Schule“ ziehen an einem Strang. Hier ist der Anhänger zu sehen, mit dem die Rollstühle transportiert werden.

[Fotos: Benny Ulmer und Christian Hüttmann/Text: Alisha Roetzer]

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