Vaihinger Kreiszeitung, 25.10.2012
Behinderte Sportler mit Selbstbewusstsein
Die Begeisterung über die Paralympics als Fortsetzung der Olympischen Spiele ist von London nach Sachsenheim übergeschwappt. Im Gewerbepark Eichwald gab es am Dienstag den Sporttalk
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Die Begeisterung über die Paralympics als Fortsetzung der Olympischen Spiele ist von London nach Sachsenheim übergeschwappt. Im Gewerbepark Eichwald gab es am Dienstag den Sporttalk der Sportregion Stuttgart mit Hochkarätern des Behindertensports.
Matthias Berg hat als Contergangeschädigter nur zwei kurze Stummelarme, Hannelore Brenner kann sich nach einem Reitunfall nur mit Hilfe von Krücken bewegen, Maria Kühn ist nach einem Sturz vom Pferd vom fünften Brustwirbel abwärts gelähmt und sitzt im Rollstuhl, Jochen Wollmert hat verkrüppelte Hände, Thomas Nuss fehlt die linke Hand. Doch alle fünf strotzen vor Energie, Lebensfreude und Selbstbewusstsein.
Sie sind Teilnehmer der Veranstaltung Sporttalk der Sportregion Stuttgart im Gewerbepark Eichwald. Alle waren sie bei den Paralympics aktiv, die Dressurreiterin Brenner, der Tischtennisspieler Wollmert und die Rollstuhlbasketballerin Kühn haben Gold gewonnen. "Ein so erfolgreiches Podium hatten wir noch nie", freut sich die Fernsehjournalistin Valeska Homburg, die den Sporttalk wieder moderiert.
"Eine tolle Location", schmeichelt Homburg, doch ihre Gäste sind nicht minder beeindruckend. Sie alle stehen noch unter dem Eindruck der Erlebnisse, die sie bei den Spielen in London hatten. 4200 Athleten aus 165 Nationen waren am Start. 2,7 Millionen Menschen wollten die Wettkämpfe live miterleben. "London war ein Quantensprung", meint Homburg; da stimmen ihr die Gäste zu. Aus dem Nischenereignis wurde ein Medienspektakel, aus dem Rehabilitationssport der Anfänge wurde Hochleistungssport. 66 Medaillen haben die deutschen Teilnehmer, die fast alle Amateure sind, gewonnen.
Maria Kühn (29) hat ihre Goldmedaille mitgebracht. Sie erzählt von den Strapazen des Trainings. Dreimal pro Woche fährt sie mit dem Zug von Stuttgart nach Frankfurt, wo sie in der 1. Liga Rollstuhlbasketball spielt. Um halb sieben am Morgen verlässt sie das Haus, oft kommt sie erst um halb elf zurück. Ohne das Entgegenkommen des Arbeitgebers, der Prüf- und Sachverständigenorganisation GTÜ, geht das nicht. Doch zur Not erledigt sie die Arbeit bei der Zugfahrt mit dem Laptop. Zwischen 2500 und 6000 Euro koste ein Sportrollstuhl, erzählt die junge Frau, die vor neun Jahren in den USA als Au-pair-Mädchen bei einem Ausflug vom Pferd gestürzt war und seitdem im Rollstuhl sitzt. Die Krankenkasse bezahle diesen nicht, man brauche einen Sponsor.
Hannelore Brenner (49) hat in diesem Punkt Glück gehabt. Sie arbeitet halbtags bei der Lottogesellschaft ("Ein Traumarbeitgeber") und kann sich Zeit für ihre Pferde nehmen. Die Dressurreiterin ist nach einem Reitunfall teilweise querschnittsgelähmt. Das Gold von London kann sie immer noch nicht so richtig fassen. Sie habe sich bei der Prüfung so gefreut, dass ihr Pferd so wunderbar gegangen sei. Da sei dann einfach der Faden gerissen. Trotz der 30 Punkte Abzug hat es zum Sieg gereicht. Brenner: "Ich hab zum ersten Mal geheult." Die Sportlerin erzählt, dass es früher mehr ein Glücksspiel gewesen sei, auf einen guten Platz zu kommen, "denn die Pferde wurden zugelost". Erst seit Athen reite man auf eigenen Tieren.
Jochen Wollmert (48) gewann in London das Tischtennisturnier – und dazu einen Fair-Play-Preis, denn er hat seinem britischen Konkurrenten einen Punkt zurückgegeben und ihn nach der Niederlage getröstet. "Das ist doch normal", meint der Angestellte der Barmer (Pressereferent), der bereits an sechs Paralympischen Spielen teilgenommen hat und sechsmal Gold gewann. Wollmert, der auch im "normalen" TT-Betrieb in der Badenliga spielt, schwört auf die Mischung aus Arbeit und Sport, "auch wenn es manchmal heftig ist". Vor Olympia trainierte er 20 Stunden in der Woche.
Matthias Berg (51) hat seine sportliche Karriere abgeschlossen. Als Aktiver sammelte er goldene Medaillen in der Leichtathletik und im Alpinskisport, jetzt berichtet er als Co-Moderator des ZDF von Behindertenwettkämpfen. "Ich bin der Oliver Kahn für Kassenpatienten", scherzt Berg, der im zivilen Leben Erster Landesbeamter im Landratsamt Esslingen, zudem gefragter Horn-Solist und -Pädagoge ist. Die Arbeit beim Fernsehen mache Spaß. London sei das Beste gewesen, was er erlebt habe, lobt Berg. Als Aktiver habe ihn Seoul beeindruckt, "Atlanta war nur unerfreulich, der Tiefpunkt". Seit Sydney hätten die Sender den Behindertensport entdeckt, "vorher berichtete die Gesundheitsredaktion".
Auch Thomas Nuss hat London als etwas Besonderes erlebt. "Ein Vorteil war, dass sich alle miteinander verständigen konnten", findet er. Der Geschäftsführer des Württembergischen Behinderten- und Rehabilitationsverbandes ist mit der Medaillenausbeute sehr zufrieden. Die Spezialisierung der Athleten sei nicht aufzuhalten, sagt der 49-Jährige, der 1988 in Seoul in gegensätzlichen Disziplinen wie Weitsprung, Kugelstoßen und Diskuswerfen startete.
Fühlen sich Behindertensportler im Vergleich zu den anderen zurückgesetzt? Nein, da gibt es zumindest bei diesem Quintett keine Eifersucht. Vor allem die Präsenz in den Medien hat gut getan. Und bei einer Veranstaltung mit den anderen Olympioniken starten? Auch das wird nicht gewünscht. Wollmert: "Wie es ist, ist es wunderbar." Es wird über die Klasseneinteilung diskutiert, die für Außenstehende sehr verwirrend ist. Die Frage der Technik und des Geldeinsatzes darf nicht fehlen. Das technische Reglement müsse so gestaltet werden, dass Fortschritte möglich seien, wird gesagt. Da schmunzelt man über den Begriff "Eiche Natur", den Thomas Nuss aus seiner Aktivenzeit ins Spiel bringt. Lernbehinderte will man nicht auch noch dabei haben, denn sonst wäre ja noch ein IQ-Test nötig. Sponsoren werden gelobt. Matthias Berg: "Das ist nichts Einseitiges. Man bekommt was und gibt was." Der Umgang mit Behinderten kommt zur Sprache. Man müsse lockerer werden, aufeinander zugehen. Behindertensportler seien die "Speerspitze". (Albert Arning)
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NWZ, 19.07.2012
Respekt weiter einfordern
Fair Play muss ein wichtiges Element im Sport bleiben. Darüber einig waren sich sechs Experten bei einer Diskussion über Werte im Sport, initiiert von der
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Fair Play muss ein wichtiges Element im Sport bleiben. Darüber einig waren sich sechs Experten bei einer Diskussion über Werte im Sport, initiiert von der Sportregion in der Evangelischen Akademie Bad Boll.
"Fehlender Respekt macht unser Leben kompliziert, aber es ist ein sauschweres Geschäft, Werte zu vermitteln", hielt Harald Denecken, Präsident der Deutschen Olympischen Gesellschaft, gleich zu Beginn der Gesprächsrunde vor 120 Zuhörern fest, während Fußball-Schiedsrichter Marco Fritz den Handschlag mit dem Gegner nach dem Abpfiff als gängige Praxis in der Bundesliga bestätigte. Sportsoziologe Helmut Digel holte weiter aus:"Der Betrug im Sport ist offensichtlich und verzeichnet einen enormen Zuwachs", warnte der ehemalige Direktor des Tübinger Sportinstituts,"deshalb traut die Menschheit dem Sport nicht mehr." Als Beispiel dient Digel das 100-Meter-Finale bei Olympischen Spielen, das in London wieder unter dem Manipulations-Generalverdacht stehe. Digels Anschlussfrage: Ist der Einsatz von Steuergeldern für diesen Sport noch gerechtfertigt?
Gleichzeitig nannte der Wissenschaftler die aktuelle Diskussion um Sepp Blatter, den Präsidenten des Weltfußballverbandes (Fifa), heuchlerisch. Schließlich habe der deutsche Fußball über Jahrzehnte in der Fifa eine herausragende Rolle gespielt. Im übrigen gehörten zur Korruption immer zwei Parteien, es funktioniere also nur, weil die Wirtschaft und die Fernsehsender bezahlen. Dass Höchstleistungen auch heute"sauber" erbracht werden können, glaubt der Vizepräsident des Württembergischen Landessportbundes, Andreas Felchle, der vielmehr der Gesellschaft ein schlechtes Zeugnis ausstellte. Nach 20 Jahren als Bürgermeister von Maulbronn sieht er viele nur an sich selbst denken,"ohne Rücksicht auf Gesetze und Normen".
Andreas Höfer, Leiter der Deutschen Olympischen Akademie, sah den Sport als Abbild der Gesellschaft, was sich beispielsweise am Medikamentenmissbrauch im Alltag festmachen ließe."Deshalb müssen alle bei sich selbst anfangen und nicht nach den anderen rufen", so Höfer. Die Ausrede, dass andere auch manipulieren, lässt auch Andreas Schmid als Vorsitzender der Württembergischen Sportjugend nicht gelten und fordert mündige Sportler."Wir müssen jeden Sportler stärken ohne den Blick auf die Weltrekorde, für mich ist die Tour de France nicht mehr Sport, sondern ist als Event vom Sport abzukoppeln", so Schmids Vorschlag. Seine Konsequenz:"Wir müssen die Vorbild-Diskussion lenken und uns von Systemen trennen, die die Glaubwürdigkeit in Frage stellen." Nicht nur Helmut Digel stimmte zu:"Wir müssen Einfluss nehmen, Fair Play ist einfach wichtig." (Harald Betz)
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Vaihinger Kreiszeitung, 04.07.2012
Ein Hauch von Olympia weht über Sersheim
Die Fußball-Europameisterschaft ist kaum zu Ende, da stehen schon wieder die Olympischen Spiele vor der Türe. Um Kindern zu zeigen, dass es mehr gibt als
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Die Fußball-Europameisterschaft ist kaum zu Ende, da stehen schon wieder die Olympischen Spiele vor der Türe. Um Kindern zu zeigen, dass es mehr gibt als gegen den Ball zu treten, veranstaltet die Sportregion Stuttgart die Schulsportspiele. Gestern Vormittag war Station bei der Hofäckerschule und beim Kindergarten in Sersheim.
Rund 250 Kinder vom Kindergarten bis zur siebten Klasse tummeln sich in der Sport- und Kulturhalle sowie auf dem angrenzenden Sportgelände. Ein Hauch von Olympischen Spielen weht über dem Areal. Es finden die Schulsportspiele statt. „Die Sportregion Stuttgart will mit Hilfe des Sports ein Wir-Gefühl erzeugen“, erklärt Sportregion-Geschäftsführer Michael Bofinger. „Seit dem letzten Jahr gibt es bei uns ein Jahresmotto, das in diesem Jahr ,Olympia‘ lautet. Unter dem veranstalten wir die Schulsportspiele.“ In Sersheim rannten die Verantwortlichen der Sportregion Stuttgart mit der Idee offene Türen ein. „Wir sind froh, wenn wir so etwas machen können“, sagt Kurt Willaredt, Konrektor der Hofäckerschule. „Wir haben sowieso das Leitbild ,bewegte Schule‘.“ Und als Bürgermeister Jürgen Scholz, der im Vorstand der Sportregion Stuttgart sitzt, bei der Grund- und Werkrealschule angefragt hat, war man sofort Feuer und Flamme. „Wir haben die Mitgliedskommunen angeschrieben. Und in Sersheim scheint es wohl besonders kurze Wege zwischen Verwaltung und Schule zu geben. Die Hofäckerschule war eine der ersten, die sich angemeldet haben“, berichtet Bofinger.
Im Gepäck hat der Sportregion-Geschäftsführer ein ganzes Paket an Angeboten. Es gibt beispielsweise eine Tischtennis- und eine Golfstation. Außerdem hat er drei prominente Sportler eingeladen, die sich die Finger beim Autogramme schreiben wund scheuern. Darüber hinaus werden Natalie Härterich vom Frauenfußball-Regionalligisten FV Löchgau, Aaron Blessing aus Enzweihingen vom Handball-Baden-Württemberg-Oberligisten TSV Schmiden und Thorsten Salzer vom Handball-Zweitligisten SG BBM Bietigheim Löcher in den Bauch gefragt. Die Neugier der Schulkinder kennt keine Grenzen.
Vieles haben aber auch schon die Lehrer der Hofäckerschule in die Wege geleitet. Die älteren Schüler der Klassen drei bis sieben absolvieren gestern auch die Bundesjugendspiele. Für die Jüngeren ist ein Bewegungsparcours in der Sport- und Kulturhalle aufgebaut. Da müssen sich die Kinder beispielsweise durch das Affengehege hangeln. Mit Hilfe eines Barren wird eine wackelige Hängebrücke nachgebaut. Danach geht es über ein Klettergerüst und eine Seilbrücke. Mit einer umgedrehten Bank haben die Lehrer eine Wippe konstruiert. Und zuletzt müssen die Schüler über zwei dünne Stangen balancieren. Bei anderen Stationen müssen die Kinder einen Ball im Slalom um Stangen dribbeln, einen Hindernisparcours überwinden oder dürfen auf die Rutschbahn.
Doch bevor die Schüler sich sportlich verausgaben dürfen, stand am Morgen erst einmal der feierliche Einmarsch aller Athleten ins Stadion an. Jede Riege unter einer anderen Flagge. „Wir haben insgesamt 30 Flaggen ausgeliehen. Als die Praktikantin mit der Madagaskar-Fahne zurückkam, habe ich erst einmal gefragt, wie sie darauf gekommen ist. Sie antwortete: ,Wegen des Films‘“, erzählt Bofinger. „Und nun ist es so, dass die Madagaskar-Flagge immer benutzt wird.“ Und Bürgermeister Scholz erklärte in seiner Begrüßung: „Was nun noch fehlt, ist das olympische Feuer. Aber das könnt ihr beim Laufen entfachen.“ (Michael Nachreiner)
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Region Stuttgart Aktuell, 01.07.2012
Olympia bei der SportRegion
Der Verband Region Stuttgart wird dem Verein SportRegion bis Ende 2017 weiterhin jährlich 250.000 Euro zur Verfügung stellen – zur Finanzierung der Geschäftsstelle und von
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Der Verband Region Stuttgart wird dem Verein SportRegion bis Ende 2017 weiterhin jährlich 250.000 Euro zur Verfügung stellen – zur Finanzierung der Geschäftsstelle und von Projekten. Der Vorsitzende der SportRegion Stuttgart und Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer freute sich, dass sich „die Arbeit der SportRegion sehr gut etabliert hat“. In den nächsten Jahren soll der Verein noch mehr Mitglieder gewinnen und auch in der Fläche umfassend präsent sein. Dieses Jahr steht ganz im Zeichen von Olympia: An verschiedenen Orten in der Region Stuttgart trägt die SportRegion den olympischen Gedanken in die Schulen. Grundschüler und -schülerinnen sollen in „Schulsportspielen“ mithilfe von Spitzensportlern die unterschiedlichsten Sportarten, den Teamgedanken, „Fair Play“ sowie die verschiedenen Kulturen kennenlernen. Auch die Veranstaltungsreihe „sport talk“ greift das Jahresmotto bis zum Herbst in drei Diskussionsrunden auf, Themen sind die „Faszination Olympia“, olympische Werte und der Behindertensport bzw. die Paralympics. Die regionalen Sportwettbewerbe „Regio-Cups“ werden um zwei weitere Disziplinen auf jährlich zwölf erhöht. Seit 1996 gibt es die SportRegion Stuttgart als Zusammenschluss von Kommunen und Sportverbänden im Großraum Stuttgart, derzeit sind es 92 Mitglieder. (HÖ)
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Stuttgarter Nachrichten, 03.05.2012
Alle stehen hinter der Sportregion
Der Verein Sportregion ist jetzt auch offiziell eine Erfolgsgeschichte. Nach sechs Jahren Probezeit mit zwischenzeitlicher Verlängerung hat die Regionalpolitik die hauptamtliche Geschäftsstelle am Mittwoch zu
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Der Verein Sportregion ist jetzt auch offiziell eine Erfolgsgeschichte. Nach sechs Jahren Probezeit mit zwischenzeitlicher Verlängerung hat die Regionalpolitik die hauptamtliche Geschäftsstelle am Mittwoch zu einer Dauerlösung gemacht. Der jährliche Zuschuss in Höhe von 250.000 Euro fließt für weitere fünf Jahre.
Der Verein Sportregion bringt die Akteure des regionalen Sportgeschehens auch über die jeweilige Sportart hinaus miteinander in Verbindung, setzt dabei sportpolitische Impulse und schafft damit ein regionales Bewusstsein. Dieses Fazit zogen der neue Vereinsvorsitzende, der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer, und Geschäftsführer Michael Bofinger bei ihrem Vortrag vor dem Wirtschaftsausschuss der Regionalversammlung. Das Duo überzeugte das Gremium restlos. Ludwigsburgs OB Werner Spec attestierte Bofinger namens der CDU 'einen ganz tollen Job'. Sein Esslinger Amtskollege Jürgen Zieger lobte den Geschäftsführer, der seit 2008 im Amt ist, weil er die Sportregion 'mit strategischem Denken aus einem punktuellen Engagement heraus weiterentwickelt' habe. Mit 'eingeschränktem Budget' gelinge es, den Vereinssport zu stärken und sportliche Identität in der Region zu schaffen.
Selbst die Kritiker von einst, die Ende 2005 gegen die Einrichtung der Geschäftsstelle gestimmt hatten, sind jetzt Fans der Profi-Sportregion. 'Es ist Ihnen gelungen, dass die Sportregion echtes Profil gewonnen hat und zusammen mit der Kulturregion und der Regio Marketing bei der Vermarktung der Region ein wesentliches Pfund ist', sagte Andreas Hesky für die Freien Wähler. 'Der regionale Mehrwert ist gegeben, die Strategie erkennbar, und die Netzwerkarbeit ist die Grundlage dafür, dass ein verbandsübergreifender Austausch stattfindet', sagte Michael Lateier für Bündnis 90/Die Grünen. 'Sie haben die Zeit gut genutzt, dem Ganzen ein Gesicht zu geben', sagte Gabriele Reich-Gutjahr für die FDP, die damit als letzte Bastion grundsätzlichen Zweifels fiel. Der Vorsitzende Klopfer bedankte sich für das Vertrauen, hoffte, dass man bald noch mehr als bisher 92 Kommunen, Sportkreise und -fachverbände als Mitglieder gewinnen werde und freute sich auf viele Veranstaltungen unter dem Jahresmotto Olympia. (Alexander Ikrat)
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Stuttgarter Nachrichten, 02.05.2012
"Ich bin für einen internationalen Stuttgart-Marathon"
Einst in der Regionalversammlung umstritten, hat sich die Sportregion Stuttgart etabliert. Nach einem sechsjährigen Testlauf sollen am Mittwoch weitere fünf Jahre finanziert werden. Vor
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Einst in der Regionalversammlung umstritten, hat sich die Sportregion Stuttgart etabliert. Nach einem sechsjährigen Testlauf sollen am Mittwoch weitere fünf Jahre finanziert werden. Vor der Entscheidung zieht der Vorsitzende Matthias Klopfer Bilanz.
Stuttgart Herr Klopfer, Sie bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Sport und Politik. Was würden Sie der großen Politik bezüglich der Ukraine und der anstehenden Fußball-EM raten?
Gegenfrage: Was würde die Politik bei einem Hintergrund von Menschenrechtsverletzungen tun, wenn keine EM anstünde?
Wir würden Sie als Pragmatiker fragen.
Politik lebt von Symbolen. Deshalb kann ich sehr gut nachvollziehen, wenn Politiker ihren Besuch jetzt absagen wollen. Aber das kann nicht die alleinige Antwort auf die Situation in der Ukraine sein.
Wer hat jetzt gesprochen: der politische Sportfunktionär oder der sportliche Politiker?
Der Mensch und Politiker Matthias Klopfer.
Gehen wir von Weltpolitik in die regionalen Verästelungen: Sind Sie mit der politischen Unterstützung für die Sportregion zufrieden?
Die Antwort kann ich ihnen am Mittwoch geben. Da stellen wir unser Konzept in der Regionalversammlung vor und hoffen, dass wir fünf Jahre Planungssicherheit bekommen. Aber ich bin ganz zuversichtlich.
Woher nehmen Sie ihren Optimismus?
Erst zuletzt hatten wir zum Start unserer Schulsportspiele positive Resonanz auf unsere Arbeit.
Und auf Ihr Programm, das sich gegen eine Zentralisierung des Spitzensports in der Landeshauptstadt richtet.
Nicht gegen eine Zentralisierung, sondern für Vielfalt in der Region. Es kann nicht sein, dass alles in Stuttgart stattfindet. Gerade das Beispiel Handball zeigt, dass wir in der ersten und zweiten Liga mit Göppingen und Bietigheim selbstbewusste und erfolgreiche Clubs haben, die beweisen, dass es auch ohne einen Umzug nach Stuttgart geht. Bittenfeld geht nach Stuttgart in die Scharrena -, auch ein guter Weg.
Und welches Profil soll Stuttgart haben?
Eine Frage, die die Stadt Stuttgart beantworten muss. Klar ist: Großveranstaltungen mit ihrer Strahlkraft nach außen können nur in Stuttgart stattfinden.
Schönes Stichwort. Hier hat sich die Stadt schon mal verhoben. Sie wollte die Olympischen Spiele, die jetzt in London stattfinden.
Es war eine deprimierende Erfahrung. Aber daraus ist die Sportregion entstanden.
Und was ist letztlich daraus geworden?
Sicherlich keine Organisation zur Akquise von Großveranstaltungen. Wir versuchen in diesem Jahr unter anderem das Thema Olympia an die Schule zu bringen. Wir wollen den Kids Lust auf Olympia machen.
Lust auf was? Olympia im TV anzuschauen?
Natürlich wollen wir Lust auf Bewegung und die Vielfalt von Sport machen.
Und dazu braucht es die Sportregion?
Ja und nein. Das machen die jeweiligen Sportfachverbände natürlich genauso gut. Aber wir eben auch.
Das klingt nach unnötigen Parallelstrukturen. Wo findet eine Abgrenzung zu den Fachverbänden und Dachverbänden statt?
Ich sehe unsere Arbeit eher als Ergänzung. Ein Zeichen dafür ist, dass viele Verbandspräsidenten unserem Vorstand angehören.
Früher definierten Sie sich dadurch, große Sportveranstaltungen an Land ziehen zu wollen. Davon ist nichts mehr übrig . . .
. . . weil es nicht unsere, sondern die zentrale Aufgabe der Landeshauptstadt und der Sportverbände ist. Wir können allenfalls Impulse setzen.
Haben Sie etwas im Hinterkopf?
Also ich finde es sehr schade, dass die Leichtathletik-Tradition in Stuttgart und der Region verloren gegangen ist.
Klagen ändert nichts. Wie könnte man diese Tradition wiederbeleben?
Ich denke da an einen internationalen Marathon. Damit könnte man unglaublich viele Menschen bewegen. Der Stuttgart-Lauf ist gut, hat aber längst nicht die Strahlkraft eines Hamburg- oder Berlin-Marathons. Warum sollte hier kein internationaler Mercedes- oder Porsche-Marathon stattfinden?
Sie sprechen es an. Sport braucht in der Regel die Unterstützung von Sponsoren. Reicht Ihr Jahresbudget in Höhe von 250 000 Euro?
Es würde mich freuen, wenn es mehr wäre. Damit könnten wir den Kommunen noch mehr Angebote machen. Wichtiger ist aber, dass wir die Zusage für weitere fünf Jahre bekommen, um perspektivisch zu arbeiten.
Woran?
Das lässt sich nicht in einem Satz sagen.
Sie bekommen auch ein paar mehr.
Da wäre zunächst die Nachwuchsförderung mit regionalem Kontext . . .
. . . Protest. Das können Vereine und Verbände besser.
Ich sehe uns auch da wieder als Ergänzung. Es wird dadurch leichter, andere Partner mit ins Boot zu holen, wenn die Sportregion dabei ist.
Mit Ihrer Veranstaltung 'Sport-Talk' wollen Sie sportpolitische Impulse setzen. Ist das nicht ein wenig vermessen?
Natürlich können solche Impulse auch von anderen kommen. Aber sie kommen eben auch von uns. Je mehr sich für den Sport in der Region engagieren, desto besser.
Zum Beispiel?
Wir haben zuletzt eine Diskussion zu den Chancen und Risiken des Motorsports in der Region oder zur Zukunft des Sportvereins angestoßen. Ich sage immer: Wenn ich von einer Veranstaltung mit einer guten Idee und einem guten Gespräch heimkomme, dann hat sie sich gelohnt.
Sie könnten einen ganz wichtigen sportpolitischen Impuls setzen.
An was denken Sie?
Die viergeteilte Macht- und Dachverbandslandschaft im Land strukturell zu einen.
Hundert Prozent Zustimmung. Aber dagegen gibt es bekanntlich Widerstände aus Baden. Vielleicht müssten da in zentralen Positionen mehr Menschen meiner Generation sitzen.
Wäre es für Sie eine reizvolle Aufgabe, den Sport mit Bünden in Nordbaden, Südbaden, Württemberg und dem Landessportverband Baden-Württemberg mit einer Stimme zu vertreten?
Warum nicht. Ich könnte mir das sehr gut vorstellen. Vielleicht ist es ja zum 70-jährigen Jubiläum des Landes so weit. Gleichzeitig muss aber auch die Politik den Mut haben, dies endlich einzufordern.
(Interview: Alexander Ikrat und Martin Haar)
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Ludwigsburger Kreiszeitung, 27.04.2012
350 Kinder kämpfen um den Siegerpokal
Im Zeichen von Olympia hat das Sportfest der 15 Grundschulen in Ludwigsburg gestanden. 350 Kinder der dritten und vierten Klassen zeigten bei Wettkämpfen mit Spaßcharakter
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Im Zeichen von Olympia hat das Sportfest der 15 Grundschulen in Ludwigsburg gestanden. 350 Kinder der dritten und vierten Klassen zeigten bei Wettkämpfen mit Spaßcharakter ihr Können. „Ich habt super gekämpft“, lobte Kerstin Bergold, Leiterin der Oststadtschule II, die Kinder nach den mehr als einstündigen Wettkämpfen in den Alleenhallen und der Sporthalle der Elly-Heuss-Knapp-Realschule. Jede Förder- und Grundschule hatte ein Team entsandt, das sich ins Zeug legte. An 15 Spiel- und Sportstationen kämpfen die Kinder um Punkte. Sie sprangen, liefen und hüpften um die Wette. Sie durchfuhren bäuchlings auf einem Rollbrett liegend einen Tunnel, schlüpften durch reifen oder bewegten sich zu viert auf einem Paar Skier fort. Gefragt waren Schnelligkeit, Geschicklichkeit, Treffsicherheit, Kraft und Teamgeist.
Das vom MTV Ludwigsburg seit 1996 organisierte Sportfest ist im Terminplan der Schulen fest verankert. „Das Ziel besteht darin, gemeinsam den Bewegungsmangel von Kindern vorzubeugen“, so Marcel Hetzer vom MTV. Unterstützt wurde der Verein von Schülern der neunten Jahrgangsstufe des Otto-Hahn-Gymnasiums, die als Schiedsrichter im Einsatz waren. Das Schulsportfest war in diesem Jahr etwas ganz Besonderes, denn es war der Auftakt der Schulsportspiele, die im Olympiajahr in der gesamten Region Stuttgart durchgeführt werden. Der Vorsitzende der SportRegion Stuttgart, Schorndorfs Oberbürgermeister Matthias Klopfer, ließ es sich deshalb nicht nehmen, die Veranstaltung offiziell zu eröffnen. Ein Hauch von Olympia wehte durch die Sporthalle, als die Schüler mit Fahnen in den Händen einmarschierten.
Vor der Halle zog ein knallroter Doppeldecker-Bus aus London, dem Austragungsort der Olympischen Spiele, die Blicke auf sich. Das Team jeder Schule wurde vor diesem Wahrzeichen aus England abgelichtet. Marian Reichert, 17 Jahre alter Stabhochspringer vom LAZ Salamander Kornwestheim, verteilte außerdem fleißig Autogramme. Auch der erfolgreiche Sportler träumt davon, in einigen Jahren bei den Olympischen Spielen antreten zu können. Ausgelassene Stimmung herrschte bei der Siegerehrung, als der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried die Urkunden überreichte. Die Grundschule Pflugfelden sicherte sich den ersten Platz, gefolgt von der Lembergschule in Poppenweiler, der Schlösslesfeldschule, Oststadtschule II sowie August-Lämmle-Schule Oßweil. Auch wenn nur die Siegermannschaft den großen, von der Volksbank überreichten Pokal mit nach Hause nehmen durften: Laut bejubelt wurden alle 15 Teams. Dabei sein ist bekanntlich alles – nicht nur bei den Olympischen Spielen. (Marion Blum)
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Filder-Zeitung, 21.04.2012
Alle vier Jahre sind Millionen in ihrem Bann
Eigentlich, sagt Kim Bui, die mehrfache deutsche Meisterin im Turnen, 'ist es doch ein Wettkampf wie jeder andere auch.' Eigentlich. Doch Olympische Spiele sind zweifelsohne
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Eigentlich, sagt Kim Bui, die mehrfache deutsche Meisterin im Turnen, 'ist es doch ein Wettkampf wie jeder andere auch.' Eigentlich. Doch Olympische Spiele sind zweifelsohne mehr. Sie sind das sportliche Großereignis schlechthin, konkurrenzlos das weltweite Interesse betreffend. Warum das so ist, warum das alle vier Jahre stattfindende Event wie kein anderes internationales Sportereignis Millionen Sportbegeisterte in seinen Bann zieht, darüber wurde bei der zehnten Ausgabe der Diskussionsreihe 'sport talk' am Donnerstag - 99 Tage vor dem Start der Olympischen Spiele in London - im Engineering Park (Step) in Vaihingen diskutiert. Eingeladen hatte die SportRegion Stuttgart, die die Veranstaltungsreihe 2009 ins Leben gerufen hatte, gemeinsam mit dem Olympiastützpunkt Stuttgart. Geleitet wurde die Diskussionsrunde vor rund 200 geladenen Gästen von der TV-Moderatorin Valeska Homburg.
Gold, Silber, Bronze: Warum faszinieren uns Olympische Spiele? Eine Frage, und das hat der Plausch in lockerer Runde ergeben, die nur schwer zu beantworten ist. Christian Klaue, der Pressesprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sprach von 'einer Art Flow, einer Welle', auf der man reite. 'Wer die Fußball-WM 2006 hautnah miterlebt hat, weiß, was ich meine.' Für die Bogenschützin Sandra Sachse, die 1996 in Atlanta mit der Mannschaft Silber und 2000 in Sydney Bronze gewonnen hat, sind es hingegen vor allem die Treffen mit anderen Sportlern, die die Faszination der Spiele ausmachen. 'Da kommt man mit Leuten zusammen, die man sonst auch nur im Fernsehen sieht', sagte sie. 'Man feiert gemeinsam, obwohl man sich gar nicht kennt.' Und Klaus Dobbratz, der Sportjournalist, für den die Spiele auf der Insel die elften sein werden, hob vor allem die 'unvorstellbare Dimension' in allen Bereichen hervor. 'Für uns Journalisten ist das ein interessantes Abenteuer und eine große Herausforderung.'
Für die größte Faszination sorgen seit jeher die Eröffnungsfeiern - nicht nur bei den Athleten. Im Fernsehen warten sie mit den höchsten Einschaltquoten auf. 'Wenn du ins Stadion einläufst und 60 000 jubeln, dann ist das einfach gigantisch, Gänsehaut pur', sagte Sandra Sachse. Ähnlich beschrieb Thomas Grimminger, Leiter des Olympiastützpunkts Stuttgart, den Hype. Die Faszination Olympia beginne für den Sportler, wenn er seinen Wettkampf beendet habe. 'Wenn statt 400 Zuschauern plötzlich 12 000 jubeln, entsteht da ein ganz anderer Schalldruck'. Das gelte freilich besonders für Athleten, die mit ihrer Sportart sonst nicht im Fokus der Öffentlichkeit stehen. So wie eben die Bogenschützen, die Turner oder die Synchronschwimmerinnen. Die Wettkämpfe der Letztgenannten sind oft die ersten, für die es keine Tickets mehr gibt. Apropos Tickets: für die sechs Millionen London-Tickets hat es 20 Millionen Anfragen gegeben. Und für die 300 Plätze, die der DOSB für deutsche Berichterstatter hat, bewarben sich mehr als 500 Medienvertreter.
Ein Interesse, eine Begeisterung, für die sich zweifelsohne alle Entbehrungen lohnen würden - sagten zumindest Sandra Sachse und Kim Bui. Letztere war 2008 in Peking nur als Ersatzturnerin dabei, dürfte in London wohl aber definitiv zum Team gehören. 'Wir bekommen ja durch den Sport auch viel zurück, lernen viel fürs Leben', sagt Sandra Sachse. Wer sich für das Ziel Olympia durchbeiße, der beiße sich auch später im Beruf durch. Neben der ganzen großen Faszination gebe es aber auch eine Schattenseite. 'Dabei sein ist zwar schön, aber lange nicht alles. Auch bei Olympischen Spielen ist der Zweite der erste Verlierer', sagte Sachse. Und so gesehen, dürfte zumindest der olympische Wettkampf eben auch nur ein Wettkampf wie jeder andere auch sein. (Susanne Degel)
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Stuttgarter Zeitung, 26.03.2012
"Stuttgart muss der Motor sein"
Kritiker sagen, die Sportregion führe ein Schattendasein. Die Organisation bekommt jährlich 250 000 Euro vom Verband Region Stuttgart. Doch selbst viele Sportler wissen nicht, dass
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Kritiker sagen, die Sportregion führe ein Schattendasein. Die Organisation bekommt jährlich 250 000 Euro vom Verband Region Stuttgart. Doch selbst viele Sportler wissen nicht, dass es die Sportregion überhaupt gibt. Matthias Klopfer, Oberbürgermeister in Schorndorf, wurde jetzt zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er gehört zur Garde der selbstbewussten, pragmatischen SPD-Politiker in der Region, die klare Vorstellungen haben - und sie lieber im Rathaus umsetzen, als im Parlament darüber zu diskutieren. Im Interview sagt er, wohin die Reise geht.
Herr Klopfer, waren Sie heute morgen schon sportlich unterwegs?
Nur kurz joggen, leider nicht mehr. Ich hatte nur wenig Zeit.
Machen Sie oft Sport?
Viel zu selten, ich versuche es zweimal in der Woche. Aber das schaffe ich nicht immer. Im Sommer fahre ich am liebsten Rennrad und Mountainbike. Da kann ich das Remstal nur empfehlen.
Haben Sie eine große Sportvergangenheit?
Das könnte man so sagen - aber keine übermäßig erfolgreiche. Ich habe lange Leichtathletik gemacht, war bei den württembergischen Staffelmeisterschaften dabei. Da erlebte ich übrigens meine größte Niederlage, als ich das Staffelholz verlor. Ich habe auch ganz gut Volleyball gespielt. Das war alles ambitionierter Leistungssport, aber kein Spitzensport. Nur für das Fußballspielen habe ich kaum Talent.
Mit dem neuen Amt als Vorsitzender der Sportregion haben Sie jetzt noch weniger Zeit zum Joggen und zum Radfahren.
Ich hoffe nicht. Man muss sich eben neu organisieren und auch delegieren können.
Läuft eine Wahl bei der Sportregion so ähnlich ab wie bei vielen Vereinen - wer nicht rechtzeitig in Deckung geht, ist gewählt?
So ähnlich könnte man es beschreiben. Der Sindelfinger OB Bernd Vöhringer hat auf der letzten Vorstandssitzung mitgeteilt, dass er aufhört. Im allgemeinen Aufbruch hat er dann zu mir gesagt: Du machst das jetzt. Dann haben sich alle angeguckt, und die Sache war gegessen. Ich habe dabei gelernt, wie ich es anstellen muss, wenn ich den Stab mal weitergebe.
Wie lange wollen Sie das Amt ausüben?
Ich bin jetzt noch für zwei Jahre als Oberbürgermeister gewählt. Und wenn ich in Schorndorf wiedergewählt werde, würde ich mich freuen, wenn ich auch bei der Sportregion weitermachen könnte.
Was hat Sie für den Vorsitz motiviert?
Ich bin ein absoluter Anhänger der regionalen Idee - nicht nur im Sport. Ich hoffe sehr, dass das Regionalparlament zusätzliche Kompetenzen bekommt. Die Großen Kreisstädte stehen zwar im Wettbewerb untereinander, ich denke aber in regionalen Zusammenhängen. Wir leben in der Region. Schorndorf und alle anderen Städte profitieren von Stuttgart - und Stuttgart profitiert von den 24 Großen Kreisstädten und 154 Gemeinden in der Region.
Wie kann eine bessere regionale Zusammenarbeit in der Sportregion aussehen?
Zunächst einmal müssten zumindest alle Großen Kreisstädte Mitglied werden. So will ich versuchen, meinen Kollegen und Parteifreund aus Bietigheim-Bissingen, Jürgen Kessing, zu überzeugen. Wir machen schließlich alle Sportpolitik und können voneinander lernen.
Was tut die Sportregion überhaupt, außer einmal pro Woche per E-Mail einen Newsletter zu verschicken?
Die Sportregion hat eine tolle Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. Im vergangenen Jahr ging es um Sport und Mobilität, dieses Jahr heißt das Thema Olympia. Im Mittelpunkt stehen dabei die Schul-Sport-Spiele, die wir in 17 Kommunen machen. Dazu setzen wir unseren Sporttalk zu aktuellen Themen fort. Auf den Treffen sollen sich die sportpolitischen Akteure besser kennenlernen.
Die Doppelstrukturen auf regionaler und auf Kreisebene gefallen nicht allen Akteuren. Kritiker sagen, das Geld, das die Sportregion ausgibt, wäre besser angelegt, wenn es über die Sportämter direkt an die Wettkämpfer oder die Vereine verteilt würde.
Über Strukturen kann man grundsätzlich immer nachdenken. Im Großraum Stuttgart mit seinen rund 2,6 Millionen Einwohnern ist die regionale Organisation aber ganz bestimmt sinnvoll. Wir wollen nicht die absoluten Spitzenathleten fördern, sondern die Topnachwuchssportler in allen Sportarten. Ihnen verschaffen wir über die Sportregion noch mehr Aufmerksamkeit und mehr Öffentlichkeit. Das sind sehr wichtige Signale. Wir unterstützen den Sport vor den nationalen und internationalen Wettbewerben mit Regio-Cups, in denen sich Nachwuchssportler optimal präsentieren können.
Wie ist das Verhältnis zum Profisport?
Die Förderung von professionellen Spitzenmannschaften, etwa im Fußball, im Handball oder im Basketball, ist nicht Hauptbestandteil unserer Strategie. Mit dem Bundesligabrunch für Erst- und Zweitligisten bieten wir aber eine regelmäßige Austauschmöglichkeit.
Sind Sie zufrieden mit der politischen Unterstützung für die Sportregion?
Die Sportregion ist gut aufgestellt und unumstritten. Wer sich das Geld für die Sportregion sparen will, muss konkret sagen, was wir alternativ machen sollten. Wir setzen auf eine gute Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt, und ich würde jedem empfehlen, Regionalpolitik immer mit und nicht gegen Stuttgart zu machen.
Wie beurteilen Sie denn die regionale Rolle der Landeshauptstadt?
Ich wünsche mir, dass Stuttgart der Motor ist - in allen Bereichen. Und umgekehrt: Stuttgart soll die Stärken der 178 Kommunen in der Region noch stärker nutzen.
Was kann die Region besser machen als die Kreise und die Stadt Stuttgart alleine?
Den Nahverkehr könnte die Region besser bündeln. Mehr Kompetenzen im Bereich Krankenhäuser könnte ich mir auch sehr gut vorstellen. Die neue Landesregierung sollte in diesen Fragen mehr Mut beweisen.
Mit Ihnen und Christof Bolay aus Ostfildern stehen zwei SPD-Oberbürgermeister an der Spitze der Sport- und der Kulturregion. Ist das eine regionale SPD-Strategie?
Nein, die gibt es nicht. Dass jetzt zwei Sozialdemokraten vorne stehen, ist reiner Zufall. Ich kam nicht als SPD-Mann zu der Sportregion, sondern weil alle wussten: der kommt aus dem Sport.
Ist Ihr neuer Posten ein Sprungbrett für weitere regionalpolitische Ambitionen?
Nein. Ich muss mich erst Ende 2013, Anfang 2014 entscheiden, ob ich für das Regionalparlament kandidieren will. Das ist aber unabhängig von der Sportregion. Man kann auch Einfluss haben, wenn man nicht im Regionalparlament vertreten ist.
Plant die Sportregion neue Projekte?
Mir ist die Mitgliederakquise besonders wichtig. Nicht jede Kommune wird immer unmittelbar profitieren. Aber die Sportregion hat auch etwas mit Solidarität zu tun. Ich würde mich freuen, wenn von den 179 Städten und Gemeinden in der Region möglichst viele mitmachen. Die Sportverbände sind ja längst fast alle dabei.
Was kann die Sportregion künftig besser machen als in der Vergangenheit?
Es geht nicht um das Bessermachen. Wir wollen uns stark auf die Nachwuchsförderung konzentrieren. Wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Schulen und den Kommunen. Und dann sollten wir immer wieder mit den Fachverbänden internationale Spitzensportveranstaltungen in die Region holen - und in diesem Umfeld dann regionale Wettkämpfe platzieren.
Sollte sich Stuttgart noch mal um die Olympischen Spiele bemühen?
Ich glaube nicht, dass wir das noch erleben. Der Tag, als die nationale Bewerbung 2003 so klar gescheitert ist, war einer der herbsten in meinem Leben.
In der Region wird seit Jahren über neue Hallen und ihre Auslastung diskutiert. Was ist besser: mehr Konkurrenz unter den Städten oder mehr Gemeinsamkeit?
Ich plädiere für Kooperationen, sehe aber auch die Schwierigkeiten. Der Kollege Andreas Hesky aus Waiblingen ist kürzlich unter Druck geraten, weil er gesagt hat, Waiblinger Mannschaften könnten durchaus in Stuttgart spielen. Auf Dauer kann nicht jede Große Kreisstadt eine große Halle bauen. Wir brauchen in der Region auch nicht viele national wettkampftaugliche Leichtathletikanlagen. Eine reicht.
Welche Rolle spielt bei kommunalen Kooperationen die Sportregion?
Gar keine. So etwas muss immer bilateral laufen, etwa direkt zwischen Ludwigsburg und Stuttgart. Da sollte sich die Sportregion nicht einmischen. Über Sportstätten für die Allgemeinheit muss im Nahbereich entschieden werden. Wir haben hier in Schorndorf ein attraktives und sehr gut besuchtes neues Hallenbad. Spitzenschwimmer finden da kaum Trainingszeiten. Probleme wie dieses muss die Sportregion hingegen mit den Fachverbänden angehen.
Was ist eine sportfreundliche Kommune?
Sie muss gute Sportstätten haben, die das Bewusstsein der Bevölkerung abbilden. Wettkampfsport ist wichtig, Gesundheitssport vielleicht noch wichtiger. Wir müssen uns Gedanken über die Sportstätten der Zukunft machen. Es muss mehr geben als Fußballplätze und eine Laufbahn mit Kugelstoßanlage. Wir brauchen auch Angebote für Biker und kleine Rasenflächen oder eine beleuchtete Laufbahn, auf der man auch nachts laufen kann.
Wie kann die Sportregion dabei helfen?
Wir können auf Best-Practice-Beispiele aufmerksam machen, sensibilisieren, Sportamtsleiter ansprechen, zeigen, wie Ganztagsbetreuung in Kooperation mit Sportvereinen funktionieren kann.
Fehlt Sportlern, die nicht vereinsgebunden sind, eine Lobby?
Die fehlt auf jeden Fall. Diese Sportler sind für eine Kommune genauso wichtig wie die Vereine - unabhängig davon, ob sie bei der Volkshochschule, im Betrieb, bei den Landfrauen oder ganz auf eigene Faust Sport treiben. Die Schorndorfer Sportclubs haben 10 000 Mitglieder, mindestens noch einmal so viele treiben aber Sport.
Sie sind ausgebildeter Sportlehrer, wünschen Sie sich manchmal, den Job als Schorndorfer Oberbürgermeister gegen eine Lehrerstelle einzutauschen?
Nein. Wenn ich mal nicht mehr OB bin, würde ich allerdings gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Ich habe diverse Trainerlizenzen. In meinem Zivildienst habe ich Skifreizeiten mit Behinderten geleitet, das hat mir riesigen Spaß gemacht. Ich könnte mir auch gut vorstellen, mit behinderten Menschen zu arbeiten, etwa bei der Diakonie Stetten.
Dann können Sie sich ja später bewerben.
Nur: wer stellt denn schon einen ehemaligen Oberbürgermeister ein? Wir wissen doch alles besser und sind deshalb wohl ganz schwer vermittelbar.
Das Gespräch führten Thomas Durchdenwald und Martin Tschepe.
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Stuttgarter Stadtanzeiger, 08.02.2012
Klopfer ist neuer Vorsitzender
Die SportRegion Stuttgart hat einen neuen Vorsitzenden. Auf der Mitgliederversammlung ist der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer zum Nachfolger von Dr. Bernd Vöhringer, Oberbürgermeister der Stadt
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Die SportRegion Stuttgart hat einen neuen Vorsitzenden. Auf der Mitgliederversammlung ist der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer zum Nachfolger von Dr. Bernd Vöhringer, Oberbürgermeister der Stadt Sindelfingen, gewählt worden. Die SportRegion verabschiedete auf der Mitgliederversammlung ihren langjährigen Vorsitzenden Dr. Vöhringer. Der Sindelfinger Oberbürgermeister stand seit November 2002 an der Spitze der SportRegion Stuttgart. Nach zehn Jahren im Amt war es der Wunsch des Vorsitzenden, nicht mehr für den Posten zu kandidieren. „Es gibt eine alte Weisheit, die besagt, man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Ich bin der Überzeugung, dass die SportRegion noch nie so gut dastand wie heute“, so Dr. Vöhringer.
Als Nachfolger des scheidenden Vorsitzenden wurde Matthias Klopfer, Oberbürgermeister der Stadt Schorndorf, der bereits Mitglied des Vorstandes war, auf der Mitgliederversammlung im Haus des Sports „SpOrt Stuttgart“ in Stuttgart-Bad Cannstatt gewählt. Wichtig für Klopfer: "Es muss insgesamt in den Schulen wieder besser vermittelt werden, dass Sport ein gutes Gefühl gibt. Wenn man unverkrampft und ohne Schulnotenleistungsdruck in Bewegung kommt, ist dies für jedes Kind und jeden Jugendlichen ein guter Start ins Leben." Neu in den Vorstand wurden Dr. Joachim Wolf, Bürgermeister der Stadt Korntal-Müchingen, gewählt. Alle anderen Funktionsträger wurden wiedergewählt.
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